das Männergespräch Melsungen - Wie alles begann
Am Übergang in das dreißigste Jahr
Die Straßen und Geschäfte sind weihnachtlich geschmückt; das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Ein Jahr voller Veränderungen, die sich zum Teil erst in der Zukunft zeigen werden. Turbulent hatte es begonnen, bewegendes gebracht. Die alte BRD und die DDR gingen wiedervereint die ersten gemeinsamen Schritte; im Land war eine Aufbruch-, gar Goldgräberstimmung zu spüren. – Es war der Dezember des Jahres 1991.
Ein Jahr, das bei mir ebenfalls viel bewegte. Beruflich stand eine Veränderung in Form der Steuerberaterprüfung bevor. Privat, genoss ich die Freuden und Pflichten eines jungen Vaters, dessen erste Tochter im Sommer 1989 geboren wurde.
Bereits im Vorjahr hatte ich die Entscheidung getroffen, beruflich auszusetzen, um mich ganz um Kind, Haushalt und Prüfungsvorbereitung zu kümmern. – Auf dem Spielplatz war ich alleiniger Beobachter der Kleinen, während die anwesenden Mütter zusammensaßen und sich unterhielten. Auf der Straße erlebte ich den netten Zuspruch einer alten Dame, wie schön es sei, dass ein Vater einmal mit dem Kind spazieren ginge.
Viel passierte in diesem Jahr bei, mit, in mir. Dinge, die in der Vergangenheit aufgeschoben worden waren, wurden angegangen, alte Spuren wieder aufgenommen.
In diese Zeit fällt ein ganzseitiger Zeitungsartikel in der Frankfurter Rundschau, der sich inhaltlich unter der Überschrift „Tarzan hat es auch nicht leicht“ dem ersten Männerpfarrer in Deutschland widmete. Dieser Artikel sprach mich an, bewegte etwas. Kurzerhand schrieb ich einen Brief an die Landeskirche, um mehr Informationen über diesen Pfarrer, seine Aufgaben und das Angebot für Männer zu erfahren.
Es stellte sich heraus, dass dieser Pfarrer in meiner Stadt wohnte. Er rief mich an und wir vereinbarten ein Treffen in den Abendstunden. „Was habe ich da wieder angerichtet?“, fragte ich mich. „Ein Pfarrer, was soll ich mit dem nur besprechen?“ All dies ging mir im Vorfeld dieses Abends durch den Kopf, als ich Hansfried das erste Mal traf. Wir waren schnell beim Du, unterhielten uns über viele Dinge. Es war ein netter Abend, an dem die Idee geboren wurde, hier in Melsungen eine Männergruppe zu gründen. Diese Gruppe sollte unabhängig von religiösen Themen und Glaubensfragen offen für alle Männer sein. Der Name „offenes Männergespräch Melsungen“ war bald gefunden.
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| Flyer der Gründungsveranstaltung |
Meine aktuelle Lebenssituation wurde zum Thema des Gründungstreffens. „Aktive Vaterschaft“ der Name. Hansfried kannte den Autor, eines Buches mit dem Titel „Wenn Männer Väter werden“, welches zu der damaligen Zeit am Markt ein Alleinstellungsmerkmal besaß. In der Verkettung der Zufälle ergab sich, dass dieser Autor im nahegelegenen Hilgershausen wohnte. Er wurde Referent des ersten Treffens. Ein Veranstaltungsort war ebenfalls schnell gefunden. Mein ehemaliger Klassenkamerad Markus, der ein kleines Café in Melsungen betrieb, stellte uns seine Räume zur Verfügung, wurde selbst Mitglied in unserem späteren Kreis.
Es wurden Flyer gedruckt, und in der Stadt verteilt, ich formulierte einen Pressetext und verschickte diesen an die regionalen Zeitungen.
Am 05. Dezember 1991 um 20:00 Uhr war es dann so weit. Das erste Treffen des Melsunger Männergespräches fand statt. Dreißig Männer waren unserem Aufruf gefolgt und an diesem Abend in das Café gekommen. Hiermit hatte keiner von uns gerechnet.
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| Haydauer Männertage 1995 |
In der Folge wurde ein regelmäßiger Termin hieraus, welcher auf den ersten Mittwoch im Monat gesetzt wurde. – Im Jahr 1995 organisierten wir die ersten Haydauer Männertage, im alten Kloster in Altmorschen. Ungezählte Referenten brachten uns Themen nahe, die sich um unsere Rolle als Mann drehten. Der Hessische Rundfunk entsandte eine Redakteurin zu einem unserer Treffen, die einen Radiobeitrag über uns produzierte. Die Männer kamen aus über 30 km Entfernung (Kassel, Borken, Rotenburg) angereist, um an den Treffen teilzunehmen.
Mit den Jahren alterten die Väter der ersten Runde. Einige blieben fort, neue kamen hinzu. Das Café wurde geschlossen, wir zogen in die Melsunger Pfarrscheune um. Auf der Strecke ging uns Hansfried verloren, ein weiterer Umzug in das Zentrum für Beratung, Coaching und Mediation war die Folge. – Nach 20 Jahren stellten sich Ermüdungserscheinungen ein. Zu den Treffen kamen nur noch zwei bis drei Männer. Der Rhythmus der Treffen wurde von monatlich auf vierteljährlich reduziert, was die Teilnehmerzahl wieder steigen ließ.
Nun sind wir im dreißigsten Jahr unserer Gruppe angelangt: Wieder ist die Stadt weihnachtlich geschmückt, erneut endet ein ganz besonderes Jahr. Doch statt Aufbruchstimmung: Corona. Kontaktverbote, Auflagen. Unsere Treffen fielen aus. Doch auch unter diesen Bedingungen fanden sich einige Männer im Sommer zusammen, um sich im Melsunger Schlosspark zu treffen.
Wie es mit der Männergruppe weitergehen wird? – Lassen wir uns von der Zukunft überraschen.
Nachtrag 2025: Das Männergespräch hat auch diese Zeit überstanden und findet nach wie vor in regelmäßigen Quartalstreffen statt. Die Männer sind älter geworden, die Themen haben sich den Forderungen der Zeit angepasst.
Dokument 1: Brief an Pfarrer Boll (12. Mai 1991)
Absender: Dr. Jürgen Groß, Lindenbergstr. 1, 3508 Melsungen Empfänger: An den Beauftragten für Männerarbeit Pfarrer H. Boll c.o. Haus der Kirche, Wilhelmshöher Allee 330, 3500 Kassel
12, Mai 1991
Artikel "Tarzan hat's auch nicht leicht", FR v. 08.02.1991
Lieber Herr Pfarrer Boll,
über drei Monate sind vergangen, seit ich den o.g. Artikel aus der Zeitung ausschnitt. Gleich am folgenden Tag wollte ich Ihnen schreiben, um Ihnen mein Interesse für Ihre Arbeit zu bekunden und Ihnen meine Mitarbeit beim Aufbau von Gesprächskreisen anzubieten. Doch mein Anliegen wurde vom Alltäglichen verdrängt. So nahmen mich meine selbst gewählte Rolle als "Hausmann auf Zeit" sowie meine Stellensuche, zum Herbst dieses Jahres, zeitlich sehr in Anspruch.
Das Problem der Stellensuche ist, so hoffe ich zumindest, mittlerweile gelöst, und auch mein Interesse an einem Aufbau von Gesprächskreisen ist dem Anliegen gewichen, nach meinem Wiedereintritt in das Berufsleben, meine Freizeit meiner Tochter zu widmen.
Dass ich Ihnen heute dennoch schreibe, beruht darauf, dass ich nach wie vor Interesse an Ihrer Arbeit habe. Ich würde mich freuen, wenn Sie mich künftig über die von Ihnen angebotenen Veranstaltungen informieren würden. Wenn meine Freizeit künftig auch sehr beschränkt sein wird, so hoffe ich dennoch, an einigen dieser Veranstaltungen teilnehmen zu können.
Ebenfalls würde ich gerne an Gesprächsabenden in meiner Heimatgemeinde teilnehmen, falls es solche einmal geben wird.
Mit freundlichen Grüßen (Jürgen Groß)
Dokument 2: Von Mann zu Mann (Ankündigung für den 05.12.1991)
„Aktive Vaterschaft“: Unter diesem Motto findet am kommenden Donnerstag, dem 5. Dezember 1991, erstmals ein ›Männergespräch‹ in Melsungen statt.
Der Gesprächskreis, der sich um 20.00 Uhr im Café Regenbogen in der Kasseler Str. 14 trifft, richtet sich an alle Männer, die sich von der Problematik des Vaterseins, Vaterwerdens oder der bewussten
Nichtvaterschaft, direkt oder indirekt angesprochen fühlen.
Möglicher Themenschwerpunkt des Abends könnte ein offener Erfahrungsaustausch über
— die schönen und schwierigen Erlebnisse in der Vaterrolle,
— die unerfüllten Wünsche der Väter, oder die Frage
— was erleben wir mit den Kindern gemeinsam,
sein.
Referent und Leiter dieses Männergesprächs ist der Dipl.-Pädagoge Hermann Bullinger, der u. a. als Autor des Buches "Wenn Männer Väter werden“ bekannt wurde.
Initiator dieses ersten Männergespräches in Melsungen ist die Arbeitsstelle Männerarbeit der Ev. Kirche von Kurhessen und Waldeck, die von dem Melsunger Bürger Hansfried Boll geleitet wird.
Boll hofft, dass sich aus dieser Gesprächsrunde eine unabhängige und eigenständige Institution in Melsungen entwickeln könnte.
Dokument 3: Männergespräch wird fortgesetzt (Termin 29.01.1992)
Aufgrund der positiven Resonanz des ersten Melsunger - Männergespräches im Café Regenbogen (wir berichteten), entschlossen sich die Teilnehmer dieser Runde, eine ebensolche Veranstaltung im monatlichen Turnus zu wiederholen. Dabei sollen unterschiedliche Themen aufgegriffen werden, die Männer beschäftigen oder betreffen.
Das nächste Männergespräch findet am Mittwoch, dem 29. Januar 1992, um 20.00 Uhr im Melsunger Café Regenbogen, Kasseler Str. 14 statt.
Mit dem gesetzten Rahmenthema des Abends, " Mutters Kinder - oder der abwesende Vater !? " bleibt die Runde bei den Fragen des ersten Gesprächs nach einem positiven Vater- und Männerverständnis.
Referent und Gesprächsleiter wird auch diesmal der Dipl.-Pädagoge Hermann Bullinger sein.
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| Haydauer Männertage 1995 lebensgroßer Aufsteller Ausstellung |
Zusammenfassung:
30 Jahre Männergespräche Melsungen: Von der Vaterrolle bis Corona - eine bewegte Geschichte
Weihnachten 1991: Die Straßen sind geschmückt, das Jahr neigt sich dem Ende zu. Für viele ist es eine Zeit der Besinnung, aber auch des Umbruchs. In Melsungen passiert etwas Neues: Eine Gruppe Männer gründet das "Männergespräch", um sich über die Herausforderungen und Freuden der Vaterrolle auszutauschen.
Initiatoren: Hansfried Boll, damals Leiter der Männerarbeit der Evangelischen Kirche von Kurhessen und Waldeck und Jürgen Groß, Impulsgeber, junger Vater in Elternzeit
Erster Referent: Hermann Bullinger, Autor des Buches "Wenn Männer Väter werden".
Themen: Vatersein, Vater werden, bewusste Nichtvaterschaft, Erfahrungen, Wünsche, gemeinsame Aktivitäten mit Kindern.
Erfolg: Schnell wird das Männergespräch zu einer beliebten Anlaufstelle für Männer aus der Region. Im Laufe der Jahre kommen Referenten aus ganz Deutschland, um Vorträge zu halten.
Höhepunkte:
Herausforderungen:
Heute:
Fazit:
Das Männergespräch Melsungen ist eine Erfolgsgeschichte, die zeigt, wie wichtig es ist, dass Männer sich über ihre Erfahrungen und Gefühle austauschen können. Die Gruppe hat vielen Männern in den vergangenen 30 Jahren Halt und Unterstützung gegeben.
30 Jahre Männergespräche Melsungen: Von der Vaterrolle bis Corona - eine bewegte Geschichte
Weihnachten 1991: Die Straßen sind geschmückt, das Jahr neigt sich dem Ende zu. Für viele ist es eine Zeit der Besinnung, aber auch des Umbruchs. In Melsungen passiert etwas Neues: Eine Gruppe Männer gründet das "Männergespräch", um sich über die Herausforderungen und Freuden der Vaterrolle auszutauschen.
Initiatoren: Hansfried Boll, damals Leiter der Männerarbeit der Evangelischen Kirche von Kurhessen und Waldeck und Jürgen Groß, Impulsgeber, junger Vater in Elternzeit
Erster Referent: Hermann Bullinger, Autor des Buches "Wenn Männer Väter werden".
Themen: Vatersein, Vater werden, bewusste Nichtvaterschaft, Erfahrungen, Wünsche, gemeinsame Aktivitäten mit Kindern.
Erfolg: Schnell wird das Männergespräch zu einer beliebten Anlaufstelle für Männer aus der Region. Im Laufe der Jahre kommen Referenten aus ganz Deutschland, um Vorträge zu halten.
Höhepunkte:
- 1995: Organisation der ersten Haydauer Männertage im Kloster Altmorschen.
- Regelmäßige Berichterstattung im Hessischen Rundfunk.
- Teilnehmer aus einem Umkreis von über 30 km.
Herausforderungen:
- Alterung der ersten Teilnehmerrunde.
- Schließung des Cafés Regenbogen.
- Corona-Pandemie und damit verbundene Kontaktbeschränkungen.
Heute:
- Das Männergespräch feiert sein 30-jähriges Bestehen.
- Die Treffen finden weiterhin statt, allerdings in geringerem Abstand.
- Die Zukunft der Gruppe ist ungewiss, aber die Männer sind offen für Neues.
Fazit:
Das Männergespräch Melsungen ist eine Erfolgsgeschichte, die zeigt, wie wichtig es ist, dass Männer sich über ihre Erfahrungen und Gefühle austauschen können. Die Gruppe hat vielen Männern in den vergangenen 30 Jahren Halt und Unterstützung gegeben.
Vertiefendes Bonusmaterial
Textanalyse
Für alle, die heute neue Formen von Gemeinschaft, Männerarbeit oder sozialer Initiative suchen, ist diese Geschichte eine Ermutigung: Es braucht nicht viel. Es braucht einen Impuls, eine Begegnung, den Mut zum ersten Schritt – und die Bereitschaft, andere auf dem Weg mitzunehmen.
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vertiefende Betrachtung
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Stichpunkte:
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