Der Sohn der Venus
Eine Erzählung am Feuer von Hans Jürgen Groß "Erst wer den Regen annimmt wird selbst zur Quelle." ( Weisheit der Nomaden in der Zeit ) Komm. Rück näher ans Feuer. Dorthin, wo der Rauch nach Kiefernharz riecht und dir sanft in den Augen brennt. Wo die Glut ihre Wärme wie einen alten Mantel um deine Schultern legt. Lausche. Diese Geschichte wird nicht laut erzählt. Sie wandert von Mund zu Mund wie der Wind durch trockenes Schilf – leise, beinahe unhörbar. Und doch bleibt sie. Man trägt sie im Herzen, lange nachdem das Feuer verglüht ist und der Rauch sich mit den Wolken vereinigt hat. Es war eine Zeit – niemand weiß mehr, wie lange sie zurückliegt, und das ist auch gut so, denn manche Dinge verlieren ihre Kraft, sobald man sie in Jahre zählt –, da wohnten die Götter noch unter den Menschen, nicht über ihnen. Man traf sie am Feuer, so wie du jetzt hier sitzt. Man traf sie am Ufer, wenn die Netze eingeholt wurden, und keiner fragte laut, wer da mit nassen Füße...