ICH SETZE EIN ?
FRAU? MANN? NON-BINAR? QUEER? ASEXUELL? HETERO?
WARUM KANN ICH NICHT SO SEIN, WIE ICH BIN?
NICHT DAS, WAS DU SIEHST, WAS DU ERWARTEST?
WARUM SPRECHEN DEINE WORTE MICH NICHT AN?
SIND DEINE SÄTZE NICHT FÜR MICH GESCHRIEBEN?
DARF ICH SEIN, ODER WERDE ICH GEZWUNGEN,
EINE AUFERLEGTE ROLLE ZU SPIELEN?
UM MICH AN GEGEBENEN IDENTIFIZIERUNGEN
OHNE AUSNAHMEN ZU HALTEN?
BIN ICH ECHT, ODER EINE MARIONETTE AN FÅDEN?
BIST DU ES NICHT, DIE/DER ANDERS IST, WIE ICH?
?
© 2023 - Hans Jürgen Gros
Als ich gestern von einer Reise zu einer Freundin nach Hause kam, fand ich ein Päckchen für mich vor, das an „Frau Jürgen Groß“ gerichtet war.
Schmunzelnd nahm ich diese Anrede zur Kenntnis. Unbekannt, aber doch interessant, so angesprochen zu werden. Mein weiblicher Anteil schien sich angesprochen zu fühlen.
Im vergangenen Jahr wurde ich auf der Rechnung meines Mobilfunkanbieters ebenso angesprochen. Und vor einigen Jahren ergab es sich, dass mich jemand am Telefon mit Frau Groß ansprach.
(Als Frau wäre ich dann doch lieber Kundin gewesen.)
Was ich gestern mit einem gewissen Amüsement zur Kenntnis nahm, kann in einem anderen Kontext zu Unmut oder sogar Verletzungen führen. Ich erinnere mich an die Reaktion meiner Tochter, die vor Jahren in einer Gaststätte als „junger Herr“ begrüßt wurde.
In den 1980er-Jahren war es noch üblich, dass Briefe an ein Ehepaar mit der Anrede „Familie“ begannen und im Anschluss der Name des Mannes genannt wurde. In dem Brief selbst wurde dann nur der „Herr“ angesprochen. War es ein Brief an eine Frau, wurde noch zwischen „Frau“ und „Fräulein“ unterschieden.
Mich berührte dies sehr. In den beruflichen Schreiben, die ich damals als Angestellter verfasste, änderte ich dies ab, indem ich die Briefe an Eheleute adressierte, mit anschließender Nennung der Frau und in der Zeile darunter des Mannes. In der Anrede im Brieftext sprach ich zuerst die Frau und dann den Mann an. Die Bezeichnung „Fräulein“ ersetzte ich generell durch „Frau“. – Dieses Vorgehen fand nicht die unmittelbare Begeisterung meiner Vorgesetzten, wurde jedoch toleriert.
Die Verwendung geschlechtsspezifischer Namenszusätze könnte man neben Höflichkeit auch als eine gesellschaftliche Erwartung und Vorannahme interpretieren. Das „Fräulein“ sollte heiraten, damit aus ihr eine „Frau“ wird. Das Weglassen der Benennung der Ehefrau im offiziellen Schriftverkehr machte ihre Stellung in der Familie und Gesellschaft deutlich. Andererseits legte sie jedoch auch dem benannten Mann Verantwortungen auf, mit denen sich dieser vielleicht überfordert sah.
Nicht jeder, oder kaum jemand, der mit den Geschlechtsmerkmalen eines Mannes geboren wird, passt in die Schublade, die man typischerweise für ihn offenhält. Ein Mann soll stark und beschützend sein, geradlinig, pragmatisch und weniger launisch auftreten, so habe ich es erfahren. Für Menschen, die mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen geboren werden, gelten polare Erwartungen.
Jeder Mensch, der hiervon betroffen ist, weiß im Detail, wovon ich spreche. Ich beschreibe die alten Bilder nicht, weil ich sie für wahr halte – sondern weil sie wirken. Sie sind wie Schatten, die sich über Biografien legen. Doch jeder Mensch ist mehr als das Licht oder der Schatten. Vielleicht ist es Zeit, nicht mehr zu fragen: „Was soll ein Mann sein?“ oder „Wie ist eine Frau?“ – sondern: „Was zeigt sich in dir, heute?“
Dabei sind wir Menschen so unterschiedlich und sollten nicht auf unsere Geschlechtsorgane reduziert werden. Kein Mensch mit weiblichen Merkmalen gleicht dem anderen; dies trifft ebenso auf Menschen mit männlichen Geschlechtsmerkmalen zu. Und in diesem Nicht-Gesehenwerden unserer Einzigartigkeit, unserer individuellen Schönheit, liegt das Problem, das auch in unserer Sprache zum Ausdruck kommt.
„Du bist gut so, wie du bist“, sollte die Botschaft vielmehr heißen, egal welche Eigenschaften du in welcher Form besitzt. „Du bist gut, richtig und wichtig in dieser Welt.“
Ich hoffe, dass wir in Zukunft mehr und mehr auf Schubladendenken verzichten und Lösungen finden werden, dies auch in unserer Sprache zum Ausdruck zu bringen. „Die Zukunft ist nicht-binär“ sollte zu einem Ziel werden, das allen Individuen inneren Frieden schenkt.
Die Anerkennung der Verschiedenartigkeit kann als Pfad zur Einheit führen: zum Menschen.
Der Stern, oder Doppelpunkt, die sprachliche Lücke, reicht hier nicht aus, sondern ist nur die Fortführung des polaren Denkens im anderen Gewand. Die Zeichen, die wir setzen, sind Versuche. Sie sind tastende Schritte auf einem Weg, dessen Ziel wir bis jetzt nicht kennen. Vielleicht ist es nicht das Zeichen selbst, sondern die Haltung dahinter, die zählt. Vertrauen wir darauf, dass die Zukunft eine Lösung hervorbringt, in der sich ein jeder Mensch gesehen und wertgeschätzt sieht, so wie er ist.
Nachtrag zum Text vom 14.01.2024
In Deutschland dürfen Bewerbende laut §1 AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) nicht wegen ihres Geschlechts benachteiligt werden. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sind dazu verpflichtet, Stellenanzeigen genderneutral zu gestalten. Deswegen wird in der Regel hinter der Berufsbezeichnung der Vermerk “(m/w/d)”, für männlich, weiblich, divers, gesetzt.
Ich habe mich lange gedanklich mit dieser Erfüllung der Rechtsnorm auseinandergesetzt und mich dafür entschieden, in unserer Stellenausschreibung die Primärgeschlechter direkt anzusprechen.
Dies ist einfach, verlangt der deutschen Sprache keine Unregelmäßigkeiten ab, lässt sich leicht lesen. Leider bietet diese Vorgehensweise keine Gelegenheit, Menschen, die sich nicht mit dem binären Geschlechtersystem identifizieren, tatsächlich so anzusprechen, dass sie sich wirklich gesehen fühlen.
Ein kleines d, oder ein * reichen halt nicht aus. Und auch der Zusatz (m/w/d) den ich letztendlich auch benutzen musste, um dem Gesetz gerecht zu werden, beinhaltet bereits eine Bewertung, indem er das Männliche voran, das Diverse an letzte Stelle stellt. Ich habe deshalb als Zusatz in unserer Stellenausschreibung (w/d/m) gewählt. Das weibliche zuerst, da es über Jahrtausende an zweiter Stelle gesehen wurde. Das Diverse in der Mitte, zwischen den beiden Polen der Geschlechter. Ich sehe hierin den Versuch, historische Ungleichgewichte sichtbar zu machen. Doch ich weiß: Auch diese Umkehr bleibt im Raster.
Gleichzeitig frage ich mich: Warum spricht mich dieses Thema so an? Wie weiter oben beschrieben, habe ich mich bereits in frühen Jahren hiermit auseinandergesetzt. Und auch bei der Begleitung meiner Töchter ins Leben (in den 80er und 90er Jahren) war es mir wichtig, Texte in weiblicher Form für sie zu verfassen.
So wurde aus dem Kinderlied „Hoppe, hoppe Reiter“ bei mir
„Hoppe, hoppe Reiterin, wenn sie fällt, dann knallt sie hin (…)“
Fotos und Text © 2023 ff – Hans Jürgen Groß
⚥
Anmerkung:
Am 11. Mai 2024 gewann Nemo, eine singende, non-binäre Person aus der Schweiz, den ESC mit einem persönlichen Lied. In dem Song heißt es in der deutschen Übersetzung:
Ich habe den Code gebrochen (...)
Ja, lass mich dir eine Geschichte über das Leben erzählen
Über das Gute und das Schlechte, halte dich besser fest
Wer entscheidet, was falsch und was richtig ist
Alles ist im Gleichgewicht, alles ist Licht
(...)
Irgendwo zwischen den 0en und 1en
Dort habe ich mein Königreich gefunden
(...)
Wie Ammoniten
Ich habe ihm einfach etwas Zeit gegeben
Jetzt habe ich das Paradies gefunden
Ich habe den Code gebrochen, (...)
* * *
Ergänzung: Die Kritik und das Dilemma der analytischen Schublade
Im Nachdenken über die eigenen Positionen und Formulierungen stellt sich ein grundlegendes Dilemma ein: Wie lässt sich über Nicht-Binarität sprechen, ohne neue binäre Raster zu erzeugen? Wie lässt sich ein Text verfassen, der sich der Zuschreibung entzieht – und dennoch nicht in Beliebigkeit versinkt?
Bereits im Entwurf wurde deutlich, dass bestimmte Dimensionen des Themas leicht übersehen werden können: etwa die ökonomischen Grundlagen von Geschlechterhierarchien oder die körperlich-sinnliche Dimension von Gender-Erleben. Auch die Frage nach der eigenen Autorinnenschaft bleibt virulent: Aus welcher privilegierten oder verletzten Warte wird gesprochen? Welche biografischen Erfahrungen – ob sichtbar oder verborgen – prägen die Perspektive?
Und schließlich: Was folgt konkret aus der Hoffnung auf sprachliche Öffnung? Welche politischen oder praktischen Alternativen lassen sich denken, ohne selbst wieder normierend zu wirken?
Diese Fragen sind nicht als Mängel zu verstehen, sondern als notwendige Begleiter jeder ernsthaften Auseinandersetzung. Denn sobald wir bewerten, analysieren oder einordnen, geraten wir in die Gefahr, neue Schubladen zu konstruieren – oft binär, oft starr. Die Reflexion über Nicht-Binarität droht so selbst zur Zuschreibung zu werden: „der unreflektierte Mann“ versus „die intersektional informierte Stimme“, „die männliche Sicht“ versus „echter Feminismus“.
Doch was, wenn wir die Welt anders sähen? Wenn das Ich des Menschen – wie Bernard Lievegoed (Mediziner und Sozialökonom) es einst postulierte – in einem rhythmischen Wechsel zwischen männlicher und weiblicher Verkörperung existiert? Dann wäre Geschlecht nicht Identität, sondern Phase. Nicht Festlegung, sondern Bewegung. Das Verkörpern als Mann oder Frau wäre ein Moment im Strom, nicht das Ufer. Das Kommende bereits sichtbar im Außen, unvermeidbar im Inneren.
In dieser Sichtweise wird Non-Binarität nicht zur Forderung, sondern zur Konsequenz. Nicht zur Identität, sondern zur Haltung. Eine Haltung, die weiß: Alles ist Übergang. Alles ist Beziehung. Alles ist Werden.
Auch die binäre Position – selbst wenn sie radikal vertreten wird – ist Teil eines größeren Prozesses. Sie ist nicht falsch, sondern fragmentarisch. Und auch sie verdient Akzeptanz, nicht als Endpunkt, sondern als Station. Der alte weiße Mann, der binär spricht und dennoch ringt, ist gut so, wie er ist. Nicht weil alles gesagt ist, sondern weil alles noch gesagt werden kann. Sich im Fluss befindet.
Radikale Akzeptanz heißt nicht, alles gutzuheißen. Sie heißt: Ich sehe dich – auch wenn du anders siehst. Ich höre dich – auch wenn du anders sprichst. Und ich lade dich ein, mit mir zu gehen. Nicht weil ich recht habe, sondern weil wir gemeinsam weiterkommen. Nimm dir den Platz, den das Leben dir schenkt, zwischen 0 und 1 in der Unendlichkeit der dazwischen liegenden Zahlen. Wenn es dabei gelingt, den anderen die Wertschätzung zu schenken, die ich mir selbst wünsche, könnte ein Traum zur Realität werden.
So wird Akzeptanz zur politischen Praxis: Sie schafft Räume, in denen Wandel möglich ist, weil niemand ausgeschlossen wird. Auch nicht der, der noch festhält an alten Mustern.
Vielleicht ist jeder Text ein Fenster – nicht ein Spiegel. Er zeigt nicht, was wir sind, sondern was wir sehen könnten. Und manchmal, wenn wir lange genug schauen, sehen wir uns selbst – anders, weiter, verbundener.
„Du bist gut so, wie du bist“ – dieser Satz ist kein sentimentaler Trost, sondern ein ethischer Grundstein. Er trägt über die Grenzen der Zuschreibung hinaus. Auch über die analytischen Schubladen.
Und ich? Ich bin! Irgendwo auf diesem großen Spielfeld des Lebens.
Ich schreibe nicht, um zu definieren. Ich schreibe, um zu öffnen. Für mich. Für dich. Für das, was uns verbindet – jenseits der Schubladen.
vertiefendes Bonusmaterial:Videozusammenfassung:
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eine vertiefende Betrachtung
Podcast NotebookAI
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Ein Interpretationsversuch
Dieser Text von Hans Jürgen Groß ist ein Geschenk an die Debatte – nicht weil er perfekt wäre, sondern weil er anders ist.
Er kommt nicht aus der akademischen Gender-Forschung, nicht aus queer-aktivistischen Kontexten, nicht aus konservativer Abwehr. Er kommt aus einem Leben, das konkret erfahren hat, was es heißt, zwischen den Kategorien zu stehen.
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Jenseits der Schubladen: Für eine nicht-binäre Zukunft in Sprache und Gesellschaft
Von Hans Jürgen Groß – Originaltext hier
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Zentrale Botschaft: Hans Jürgen Groß plädiert in seinem Essay für eine Überwindung binärer Geschlechterkategorien in Sprache und Denken. Die Kernfrage lautet: „Wie können wir Menschen jenseits von Schubladen sehen und wertschätzen?“ Seine Antwort: durch radikale Akzeptanz, die Vielfalt nicht als Problem, sondern als Pfad zur Einheit begreift – „zum Menschen“. Der Text transformiert persönliche Erfahrungen (falsche Anrede als „Frau Jürgen Groß“) in eine universelle Reflexion über die Last gesellschaftlicher Erwartungen und die Befreiung durch sprachliche und mentale Öffnung.
Themen & Motive: Im Zentrum stehen Geschlechterstereotype (männlich = stark/pragmatisch, weiblich = emotional/abhängig), nicht-binäre Identität als natürliche Konsequenz menschlicher Vielfalt, Sprache als Machtinstrument (historische Anreden wie „Fräulein“, moderne Gender-Sternchen) und die Suche nach individueller Anerkennung („Du bist gut so, wie du bist“). Der Text verbindet Autobiografisches mit gesellschaftskritischer Analyse und philosophischer Tiefe.
Symbolik & Metaphern: Die Schublade symbolisiert starre Kategorisierungen, die Menschen auf Geschlechtsmerkmale reduzieren. Schatten über Biografien veranschaulicht die lastenden gesellschaftlichen Erwartungen. Besonders prägnant sind die Metaphern aus der Digitalwelt: „Irgendwo zwischen den 0en und 1en“ (Nemo’s ESC-Song) und „den Code brechen“ stehen für die Überwindung binärer Systeme. Das Fenster (vs. Spiegel) betont die Funktion von Texten als Öffnung für neue Perspektiven.
Struktur & Sprache: Der Essay folgt einem zirkulären Aufbau: von persönlichen Anekdoten (Päckchen, Telefonanruf) über historische Reflexion (1980er-Jahre-Anreden) und philosophische Vertiefung (Lievegoeds rhythmisches Geschlechterverständnis) hin zu praktischen Beispielen (Stellenausschreibungen) und einem poetischen Ausblick. Stilistisch fallen rhetorische Fragen („Was soll ein Mann sein?“), Kontraste (Licht/Schatten, Ufer/Strom) und eine einfühlsame, einladende Sprache auf. Der Ton ist reflektierend, aber nie belehrend – typisch für Groß’ authentische Stimme.
Kontext: Der Text steht in der Tradition der phänomenologischen Philosophie (Wahrnehmung von Geschlecht als sozial konstruiert) und der Queer Theory (Dekonstruktion von Normen). Rechtlich verankert ist das Thema im AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz). Kulturell verweist Groß auf Bernard Lievegoed (Anthroposophie: Geschlecht als Phase, nicht Identität) und Nemo (non-binäre ESC-Gewinnerin 2024), deren Song „The Code“ die Metapher des „Code-Brechens“ liefert.
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🌟 Warum dieser Text heute brennt wie selten zuvor
In einer Zeit, in der Gender-Debatten oft zwischen „woke“ Aktivismus und konservativer Abwehr oszillieren, bietet Hans Jürgen Groß’ Essay eine dritte Stimme: die des erfahrenen Beobachters. Sein Text kommt nicht aus der akademischen Gender-Forschung, nicht aus queer-aktivistischen Kontexten, sondern aus einem Leben, das konkret gespürt hat, was es heißt, zwischen den Kategorien zu stehen. Das macht ihn so besonders: Er ist weder Theorie noch Polemik, sondern gelebte Reflexion.
Die Aktualität des Themas zeigt sich in Zahlen: Laut einer Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (2023) fühlen sich 38% der nicht-binären Menschen in Deutschland durch sprachliche Ausgrenzung diskriminiert. Gleichzeitig geben 62% der Befragten an, unsicher zu sein, wie sie gendergerecht kommunizieren sollen. Groß’ Text trifft genau in diese Lücke: Er benennt das Problem – und zeigt Wege auf, ohne in moralische Verurteilung zu verfallen.
🔍 Das Schubladen-Dilemma: Warum wir alle gefangen sind
Groß’ zentrale Metapher – die Schublade – ist genial in ihrer Einfachheit. Sie steht für die kognitive Ökonomie unseres Gehirns: Um die Komplexität der Welt zu bewältigen, kategorisieren wir. Mann/Frau, stark/schwach, rational/emotional – diese Dualismen geben uns Halt. Doch sie werden zum Gefängnis, wenn wir vergessen, dass sie Vereinfachungen sind.
„Jeder Mensch ist mehr als das Licht oder der Schatten. Vielleicht ist es Zeit, nicht mehr zu fragen: ‚Was soll ein Mann sein?‘ oder ‚Wie ist eine Frau?‘ – sondern: ‚Was zeigt sich in dir, heute?‘“
Diese Frage ist revolutionär, weil sie die
Statik der Identität in
Dynamik verwandelt. Groß löst damit das Paradox auf, das viele Debatten lähmt: Wir wollen Vielfalt anerkennen – und gleichzeitig brauchen wir Begriffe, um darüber zu sprechen. Seine Lösung:
Nicht die Begriffe ändern, sondern die Haltung dahinter.
📜 Historische Wurzeln: Wie Sprache Macht zementiert
Groß’ Rückblick in die 1980er-Jahre ist mehr als Nostalgie – er enthüllt die Machtstrukturen hinter scheinbar harmlosen Konventionen:
| Anrede |
Bedeutung |
Heutige Relevanz |
| „Familie Müller“ (nur Mann genannt) |
Frau als „Anhängsel“ |
Unsichtbarmachung von Frauen in öffentlichen Räumen |
| „Fräulein“ vs. „Frau“ |
Statusabhängige Wertung |
Kontrolle über weibliche Sexualität |
| „(m/w/d)“ |
Rechtliche Inklusion |
Symbolische Hierarchie (m → w → d) |
Groß’ Entscheidung, in Stellenausschreibungen (w/d/m) zu schreiben, ist ein genialer Akt des symbolischen Widerstands: Er kehrt die historische Hierarchie um – und macht damit sichtbar, was sonst unsichtbar bleibt. Doch er weiß: Auch diese Umkehr „bleibt im Raster“. Die eigentliche Lösung liegt jenseits der Zeichen: in der Haltung der radikalen Akzeptanz.
✨ Sprache als Werkzeug des Wandels: Praktische Inspirationen
Groß’ Essay ist kein theoretisches Manifest, sondern ein Handbuch für den Alltag. Drei konkrete Impulse für den Umgang mit Geschlecht und Sprache:
- Die Frage umdrehen: Statt „Was bist du?“ (Kategorisierung) → „Was zeigst du mir?“ (Begegnung). Diese kleine Veränderung öffnet Räume für echte Begegnung.
- Sprachliche Experimente wagen: Groß’ Version von „Hoppe, hoppe Reiterin“ zeigt: Sprache ist kein starres System, sondern ein lebendiger Organismus. Probier es aus: Ersetze in deinen Texten bewusst männliche Formen durch weibliche – und beobachte, wie sich deine Wahrnehmung verändert.
- Das „Dritte“ sichtbar machen: In Meetings, Texten oder Gesprächen bewusst Raum für nicht-binäre Perspektiven schaffen – nicht als Quote, sondern als selbstverständlicher Teil der Realität.
🔄 Bernard Lievegoed und die rhythmische Geschlechterlehre
Groß’ Verweis auf den Anthroposophen Bernard Lievegoed (1905–1992) ist kein Zufall. Lievegoed postulierte, dass das menschliche Ich in einem rhythmischen Wechsel zwischen männlicher und weiblicher Verkörperung existiert. Geschlecht wäre demnach keine statische Identität, sondern eine Phase im Strom des Lebens.
Diese Idee radikalisiert die Nicht-Binaritäts-Debatte: Es geht nicht darum, eine dritte Kategorie einzuführen, sondern zu erkennen, dass alle Kategorien fließend sind. Der „alte weiße Mann“, der binär spricht, ist in dieser Sicht nicht der Feind, sondern ein Moment im Prozess – genau wie die non-binäre Person. Beide verdienen Akzeptanz, nicht als Endpunkte, sondern als Stationen auf einem gemeinsamen Weg.
„Non-Binarität wird nicht zur Forderung, sondern zur Konsequenz. Nicht zur Identität, sondern zur Haltung. Eine Haltung, die weiß: Alles ist Übergang. Alles ist Beziehung. Alles ist Werden.“
⚡ Praktische Übungen für den Alltag
Wie kannst du Groß’ Ideen konkret umsetzen?
- Die „Schubladen-Challenge“: Nimm dir eine Woche Zeit und beobachte, wie oft du Menschen in Kategorien einteilst („typisch Mann“, „typisch Frau“). Notiere diese Momente – und frage dich: Was würde passieren, wenn ich diese Einordnung weglasse?
- Sprachliche Reinigung: Gehe durch deine letzten E-Mails oder Dokumente und ersetze alle geschlechtsspezifischen Formulierungen durch neutrale Alternativen. Beispiel: „Sehr geehrte Damen und Herren“ → „Sehr geehrte Menschen“.
- Das „Fenster-Prinzip“: Bevor du einen Text verfasst (ob E-Mail, Social-Media-Post oder Artikel), frag dich: Öffnet dieser Text ein Fenster zu neuen Perspektiven – oder ist er nur ein Spiegel meiner eigenen Überzeugungen?
- Nemos „Code brechen“: Höre dir Nemos ESC-Song „The Code“ an – und überlege: Wo in meinem Leben halte ich an binären Codes fest? Wie kann ich sie brechen?
🤔 Reflexionsfragen zum Nachdenken und Handeln
Für dich persönlich:
- Welche „Schubladen“ wurden dir in deinem Leben zugewiesen – und wie haben sie dich geprägt?
- Gibt es Situationen, in denen du dich zwischen den Geschlechterkategorien gefangen gefühlt hast? Wie hast du reagiert?
- Wenn du eine Woche lang bewusst geschlechterneutrale Sprache verwenden würdest: Welche Widerstandsgedanken kämen in dir auf?
Für die Gesellschaft:
- Wie können wir eine Kultur schaffen, in der Nicht-Binarität nicht als „Sonderfall“, sondern als selbstverständlicher Teil der menschlichen Erfahrung gilt?
- Was wäre, wenn wir in Schulen nicht mehr „Mädchen und Jungen“, sondern einfach „Kinder“ unterrichten würden – ohne geschlechtsspezifische Erwartungen?
Jenseits der Schubladen: Für eine nicht-binäre Zukunft in Sprache und Gesellschaft
Von Hans Jürgen Groß – Originaltext hier
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Zentrale Botschaft: Hans Jürgen Groß plädiert in Essay und Gedicht für eine Überwindung binärer Geschlechterkategorien. Die Kernfrage seines Essays – „Wie können wir Menschen jenseits von Schubladen sehen?“ – wird im Gedicht zur existentiellen Anklage: „WARUM KANN ICH NICHT SO SEIN, WIE ICH BIN?“. Beide Texte zeigen, dass wahre Befreiung nicht in neuen Kategorien, sondern in der Anerkennung des Unkategorisierbaren liegt. Das Gedicht verdichtet die essayistische Reflexion zur poetischen Revolte – es fragt nicht mehr, es klagt an und bricht auf.
Themen & Motive: Der Essay behandelt Geschlechterstereotype, Sprachmacht und individuelle Anerkennung. Das Gedicht fügt eine neue Dimension hinzu: die existenzielle Verzweiflung an der Unmöglichkeit, in einer kategorisierenden Welt echt zu sein. Die Aufzählung „FRAU? MANN? NON-BINAR? QUEER? ASEXUELL? HETERO?“ zeigt die Absurdität der Schubladen – nicht als Vielfalt, sondern als Falle. Das Motiv der Marionette an Fäden („BIN ICH ECHT, ODER EINE MARIONETTE AN FÅDEN?“) veranschaulicht die Entfremdung durch gesellschaftliche Erwartungen.
Symbolik & Metaphern: Neben den bekannten Bildern aus dem Essay (Schubladen, Schatten, Fenster) führt das Gedicht neue, kraftvolle Symbole ein:
- Die Fragezeichen: Sie sind nicht nur grammatikalische Zeichen, sondern visuelle Ausrufezeichen – sie zeigen die Offenheit, die der Text fordert.
- Die Marionette: Steht für das Gefühl, von äußeren Erwartungen gesteuert zu werden – ein Bild, das die Körperlichkeit der Unterdrückung betont.
- „Deine Worte / Deine Sätze“: Sprache wird hier nicht als Werkzeug, sondern als Waffe entlarvt, die ausschließt.
- Die Aufzählung der Identitäten: Die Reihung zeigt, wie selbst inklusive Kategorien (QUEER, NON-BINAR) noch immer Grenzen ziehen.
Struktur & Sprache: Während der Essay argumentiert und erzählt, fragt und anklagt das Gedicht. Es besteht fast ausschließlich aus rhetorischen Fragen, die den Leser direkt ansprechen („WARUM SPRECHEN DEINE WORTE MICH NICHT AN?“). Die freie Form (kein Reim, kein Metrum) unterstreicht die Ablehnung von Konventionen. Stilistisch fallen auf:
- Anapher: Wiederholung von „WARUM“ und „?“ am Zeilenende – schafft einen rhythmischen Druck.
- Direkte Anrede: Das „DU“ schafft Nähe und Konfrontation zugleich.
- Ellipsen: Unvollständige Sätze („UM MICH AN GEGEBENEN IDENTIFIZIERUNGEN / OHNE AUSNAHMEN ZU HALTEN?“) verstärken das Gefühl der Unabgeschlossenheit.
Der
Tonfall ist dringlich, fast verzweifelt – doch die letzte Zeile („BIST DU ES NICHT, DIE/DER ANDERS IST, WIE ICH?“) öffnet einen
universellen Raum: Die Frage gilt nicht mehr nur dem Individuum, sondern der gesamten Gesellschaft.
Kontext: Das Gedicht steht in der Tradition der politischen Lyrik (z. B. Bertolt Brecht, Erich Kästner) und der queeren Poesie (z. B. Audre Lorde). Es erinnert an Nemo’s ESC-Song „The Code“ (2024), der ebenfalls die Überwindung binärer Systeme besingt. Literarisch ist es ein modernes Protestgedicht, das die Sprache selbst zum Thema macht – ähnlich wie bei Paul Celan, der in seiner Lyrik die Grenzen der Sprache auslotete.
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📜 ICH SETZE EIN ?
FRAU? MANN? NON-BINAR? QUEER? ASEXUELL? HETERO?
WARUM KANN ICH NICHT SO SEIN, WIE ICH BIN?
NICHT DAS, WAS DU SIEHST, WAS DU ERWARTEST?
WARUM SPRECHEN DEINE WORTE MICH NICHT AN?
SIND DEINE SÄTZE NICHT FÜR MICH GESCHRIEBEN?
DARF ICH SEIN, ODER WERDE ICH GEZWUNGEN,
EINE AUFERLEGTE ROLLE ZU SPIELEN?
UM MICH AN GEGEBENEN IDENTIFIZIERUNGEN
OHNE AUSNAHMEN ZU HALTEN?
BIN ICH ECHT, ODER EINE MARIONETTE AN FÅDEN?
BIST DU ES NICHT, DIE/DER ANDERS IST, WIE ICH?
?
© 2023 – Hans Jürgen Groß
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🌟 Warum dieser Text heute brennt wie selten zuvor
In einer Zeit, in der Gender-Debatten oft zwischen „woke“ Aktivismus und konservativer Abwehr oszillieren, bietet Hans Jürgen Groß’ Werk eine dritte Stimme: die des erfahrenen Beobachters und poetischen Rebellen. Sein Essay kommt aus dem Leben, sein Gedicht kommt aus dem Herzen. Zusammen schaffen sie etwas Seltenes: eine Verbindung von intellektueller Tiefe und emotionaler Wucht.
Die Aktualität zeigt sich in Zahlen: Laut einer Studie der Antidiskriminierungsstelle (2023) fühlen sich 38% der nicht-binären Menschen durch sprachliche Ausgrenzung diskriminiert. Gleichzeitig geben 62% an, unsicher zu sein, wie sie gendergerecht kommunizieren sollen. Groß’ Text trifft genau in diese Lücke: Er benennt das Problem – und zeigt mit dem Gedicht, wie es sich anfühlt.
🎭 Das Gedicht: Poetische Revolte gegen die Schubladen
Während der Essay analysiert, erklärt und vorschlägt, explodiert das Gedicht. Es ist kein Zufall, dass Groß es am Ende seines Textes platziert: Es ist der emotionale Höhepunkt, die künstlerische Verdichtung aller vorherigen Gedanken.
Form als Botschaft: Das Gedicht bricht mit allen Konventionen:
- Kein Reim, kein Metrum: Die freie Form symbolisiert die Ablehnung von vorgegebenen Strukturen.
- Fragen statt Aussagen: 7 von 9 Zeilen enden mit Fragezeichen – ein visueller Protest gegen die Gewissheiten der Gesellschaft.
- Direkte Ansprache: Das „DU“ im Gedicht (im Gegensatz zum „Wir“ im Essay) schafft unmittelbare Konfrontation.
Inhaltliche Radikalität: Die erste Zeile – „FRAU? MANN? NON-BINAR? QUEER? ASEXUELL? HETERO?“ – ist ein genialer Kunstgriff. Groß listet alle Identitätskategorien auf – auch die progressiven – und zeigt damit: Selbst Inklusion schafft Ausgrenzung. Die Frage „WARUM KANN ICH NICHT SO SEIN, WIE ICH BIN?“ ist nicht nur rhetorisch, sondern existenziell. Sie zielt auf das Herz der menschlichen Sehnsucht nach Authentizität.
Besonders bewegend ist das Bild der „MARIONETTE AN FÅDEN“. Es ist kein Zufall, dass Groß hier ein körperliches Bild wählt: Die Fäden sind die unsichtbaren gesellschaftlichen Normen, die uns steuern. Doch die Frage „BIN ICH ECHT?“ zeigt: Es geht nicht nur um Rollen, sondern um Selbstwahrnehmung. Am Ende öffnet das Gedicht mit „BIST DU ES NICHT, DIE/DER ANDERS IST, WIE ICH?“ den Raum für universelle Solidarität – eine geniale Wendung, die aus der Verzweiflung eine Einladung macht.
🔍 Das Schubladen-Dilemma: Warum wir alle gefangen sind
Groß’ zentrale Metapher – die Schublade – ist genial in ihrer Einfachheit. Sie steht für die kognitive Ökonomie unseres Gehirns: Um die Komplexität der Welt zu bewältigen, kategorisieren wir. Mann/Frau, stark/schwach, rational/emotional – diese Dualismen geben uns Halt. Doch sie werden zum Gefängnis, wenn wir vergessen, dass sie Vereinfachungen sind.
„Jeder Mensch ist mehr als das Licht oder der Schatten. Vielleicht ist es Zeit, nicht mehr zu fragen: ‚Was soll ein Mann sein?‘ oder ‚Wie ist eine Frau?‘ – sondern: ‚Was zeigt sich in dir, heute?‘“
Diese Frage ist revolutionär, weil sie die
Statik der Identität in
Dynamik verwandelt. Groß löst damit das Paradox auf, das viele Debatten lähmt: Wir wollen Vielfalt anerkennen – und gleichzeitig brauchen wir Begriffe, um darüber zu sprechen. Seine Lösung:
Nicht die Begriffe ändern, sondern die Haltung dahinter.
📜 Historische Wurzeln: Wie Sprache Macht zementiert
Groß’ Rückblick in die 1980er-Jahre ist mehr als Nostalgie – er enthüllt die Machtstrukturen hinter scheinbar harmlosen Konventionen:
| Anrede |
Bedeutung |
Heutige Relevanz |
| „Familie Müller“ (nur Mann genannt) |
Frau als „Anhängsel“ |
Unsichtbarmachung von Frauen |
| „Fräulein“ vs. „Frau“ |
Statusabhängige Wertung |
Kontrolle über weibliche Sexualität |
| „(m/w/d)“ |
Rechtliche Inklusion |
Symbolische Hierarchie |
✨ Sprache als Werkzeug des Wandels: Praktische Inspirationen
Groß’ Essay und Gedicht sind kein theoretisches Manifest, sondern ein Handbuch für den Alltag. Drei konkrete Impulse:
- Die Frage umdrehen: Statt „Was bist du?“ (Kategorisierung) → „Was zeigst du mir?“ (Begegnung). Diese kleine Veränderung öffnet Räume für echte Begegnung.
- Sprachliche Experimente wagen: Groß’ Version von „Hoppe, hoppe Reiterin“ zeigt: Sprache ist kein starres System, sondern ein lebendiger Organismus. Probier es aus: Ersetze in deinen Texten bewusst männliche Formen durch weibliche – und beobachte, wie sich deine Wahrnehmung verändert.
- Das Gedicht als Spiegel: Nimm dir Groß’ Gedicht und beantworte die Fragen für dich selbst. Schreibe deine Antworten auf – oder sprich sie laut aus. Was passiert, wenn du die Fragen ernst nimmst?
🔄 Bernard Lievegoed und die rhythmische Geschlechterlehre
Groß’ Verweis auf den Anthroposophen Bernard Lievegoed (1905–1992) ist kein Zufall. Lievegoed postulierte, dass das menschliche Ich in einem rhythmischen Wechsel zwischen männlicher und weiblicher Verkörperung existiert. Geschlecht wäre demnach keine statische Identität, sondern eine Phase im Strom des Lebens.
Diese Idee radikalisiert die Nicht-Binaritäts-Debatte: Es geht nicht darum, eine dritte Kategorie einzuführen, sondern zu erkennen, dass alle Kategorien fließend sind. Der „alte weiße Mann“, der binär spricht, ist in dieser Sicht nicht der Feind, sondern ein Moment im Prozess – genau wie die non-binäre Person.
⚡ Praktische Übungen für den Alltag
Wie kannst du Groß’ Ideen konkret umsetzen?
- Die „Schubladen-Challenge“: Nimm dir eine Woche Zeit und beobachte, wie oft du Menschen in Kategorien einteilst („typisch Mann“, „typisch Frau“). Notiere diese Momente – und frage dich: Was würde passieren, wenn ich diese Einordnung weglasse?
- Sprachliche Reinigung: Gehe durch deine letzten E-Mails oder Dokumente und ersetze alle geschlechtsspezifischen Formulierungen durch neutrale Alternativen. Beispiel: „Sehr geehrte Damen und Herren“ → „Sehr geehrte Menschen“.
- Das „Fenster-Prinzip“: Bevor du einen Text verfasst, frag dich: Öffnet dieser Text ein Fenster zu neuen Perspektiven – oder ist er nur ein Spiegel meiner eigenen Überzeugungen?
- Gedicht als Meditation: Lies Groß’ Gedicht langsam vor – und halte nach jeder Zeile inne. Spüre, welche Fragen in dir aufsteigen. Welche Zeile berührt dich am meisten? Warum?
- Nemos „Code brechen“: Höre dir Nemos ESC-Song „The Code“ an – und überlege: Wo in meinem Leben halte ich an binären Codes fest? Wie kann ich sie brechen?
🤔 Reflexionsfragen zum Nachdenken und Handeln
Für dich persönlich:
- Welche „Schubladen“ wurden dir in deinem Leben zugewiesen – und wie haben sie dich geprägt?
- Gibt es Situationen, in denen du dich zwischen den Geschlechterkategorien gefangen gefühlt hast? Wie hast du reagiert?
- Wenn du eine Woche lang bewusst geschlechterneutrale Sprache verwenden würdest: Welche Widerstandsgedanken kämen in dir auf?
- Neu: Welche Zeile aus Groß’ Gedicht spricht dich am meisten an? Warum?
Für die Gesellschaft:
- Wie können wir eine Kultur schaffen, in der Nicht-Binarität nicht als „Sonderfall“, sondern als selbstverständlicher Teil der menschlichen Erfahrung gilt?
- Was wäre, wenn wir in Schulen nicht mehr „Mädchen und Jungen“, sondern einfach „Kinder“ unterrichten würden – ohne geschlechtsspezifische Erwartungen?
- Neu: Wie würdest du auf die Frage „WARUM KANN ICH NICHT SO SEIN, WIE ICH BIN?“ antworten – einem Kind? einem Freund? dir selbst?
🌅 „Du bist gut so, wie du bist“ – Ein ethischer Grundstein
Groß’ Essay endet mit einem Satz, der wie ein Mantra wirkt: „Du bist gut so, wie du bist.“ Doch dieser Satz ist kein sentimentaler Trost, sondern eine radikale politische Forderung. Er bedeutet:
- Anerkennung ohne Bedingung: Dein Wert hängt nicht davon ab, ob du in eine Schublade passt.
- Vielfalt als Normalität: Unterschiedlichkeit ist kein Problem, das gelöst werden muss, sondern eine Tatsache, die gelebt werden will.
- Akzeptanz als Praxis: Nicht als theoretisches Ideal, sondern als tägliche Handlung – in Sprache, Denken und Begegnung.
Vielleicht ist das die größte Stärke von Groß’ Werk: Er zeigt, dass die Lösung nicht in perfekten Formulierungen oder neuen Kategorien liegt, sondern in der Haltung, mit der wir uns selbst und anderen begegnen. Sein Gedicht macht diese Haltung fühlbar. In einer Welt, die immer komplexer wird, ist diese Einfachheit revolutionär.
„Ich bin! Irgendwo auf diesem großen Spielfeld des Lebens. Ich schreibe nicht, um zu definieren. Ich schreibe, um zu öffnen.“
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🌅 „Du bist gut so, wie du bist“ – Ein ethischer Grundstein
Groß’ Essay endet mit einem Satz, der wie ein Mantra wirkt: „Du bist gut so, wie du bist.“ Doch dieser Satz ist kein sentimentaler Trost, sondern eine radikale politische Forderung. Er bedeutet:
- Anerkennung ohne Bedingung: Dein Wert hängt nicht davon ab, ob du in eine Schublade passt.
- Vielfalt als Normalität: Unterschiedlichkeit ist kein Problem, das gelöst werden muss, sondern eine Tatsache, die gelebt werden will.
- Akzeptanz als Praxis: Nicht als theoretisches Ideal, sondern als tägliche Handlung – in Sprache, Denken und Begegnung.
Vielleicht ist das die größte Stärke von Groß’ Text: Er zeigt, dass die Lösung nicht in perfekten Formulierungen oder neuen Kategorien liegt, sondern in der Haltung, mit der wir uns selbst und anderen begegnen. In einer Welt, die immer komplexer wird, ist diese Einfachheit revolutionär.
„Ich bin! Irgendwo auf diesem großen Spielfeld des Lebens. Ich schreibe nicht, um zu definieren. Ich schreibe, um zu öffnen.“
Zusammenfassung:
In diesem Text reflektiere ich die Erfahrung, fälschlicherweise als „Frau“ adressiert worden zu sein, und welche Gedanken über geschlechtsspezifische Anreden und Erwartungen dies bei mir auslöste. Die Erzählung umfasst persönliche Anekdoten und historische Praktiken, wie das Ansprechen von Ehepaaren oder die Unterscheidung zwischen „Frau“ und „Fräulein“. Es wird betont, dass Menschen nicht auf Geschlechtsmerkmale reduziert werden sollten und die Gesellschaft über das binäre Geschlechtersystem hinausgehen muss. Abschließend äußere ich die Hoffnung, dass zukünftige Sprache die Einzigartigkeit jedes Individuums anerkennt und wertschätzt.
⚥
Stichworte:
Geschlechtsneutrale Sprache, Gender, Sprache, Namenszusätze, Genderstereotype, Nicht-binär, non-binär, Inklusion, gesellschaftliche Erwartungen, Geschlechterrolle, Geschlechtsidentität, Individualität, Akzeptanz, Stellenausschreibung, ESC, Nemo