Wenn wir im Anderen nur noch den Gegener sehen, weil wir anderer Meinung sind.
Meine Geschichte – Hans Jürgen
Vor einigen Tagen las ich einen Artikel über das Ende der Zeitschrift Emma. Die Nachricht überraschte mich weniger, als dass sie mich nachdenklich machte. Plötzlich stand da etwas vor mir, das über Jahrzehnte hinweg wie eine selbstverständliche Landmarke am Rand meines Lebens gestanden hatte.
Als die erste Ausgabe erschien, war ich gerade achtzehn Jahre alt geworden. Nun, da die Zeitschrift eingestellt wird, nähere ich mich meinem achtundsechzigsten Lebensjahr. Dazwischen liegt beinahe ein halbes Jahrhundert meines eigenen Weges.
Gelesen habe ich die Emma nicht regelmäßig. Irgendwann Anfang der Achtzigerjahre kaufte ich einige Ausgaben aus Neugier. Feminismus war ein Thema, das mich interessierte. Vielleicht auch deshalb, weil ich als Einzelkind in einer Welt von Frauen aufgewachsen war. Meine Mutter, meine Großmutter, die Mädchen aus der Nachbarschaft, mit denen ich spielte. Mein Vater war meist arbeiten. Die weibliche Perspektive gehörte von Anfang an zu meiner Lebenswirklichkeit.
Und doch fand ich damals zu einer anderen Zeitschrift mehr Zugang. Courage sprach mich stärker an. Die Texte der Emma wirkten auf mich oft kämpferisch, manchmal auch belehrend. Es gab etwas in der Art ihrer Haltung, das mich auf Distanz hielt.
Merkwürdigerweise waren es ausgerechnet die Karikaturen von Franziska Becker, die mich erreichten. Ihre Zeichnungen eröffneten einen anderen Zugang. Sie schafften es, gesellschaftliche Verhältnisse sichtbar zu machen, ohne die Schwere vieler Debatten mitzutragen. Die Sammelbände „Mein feministischer Alltag“ stehen noch heute in meinem Regal.
Als ich nun die aktuellen Berichte über das Ende der Zeitschrift las, bemerkte ich etwas in mir, das zunächst nichts mit Feminismus zu tun hatte. Vielmehr fiel mir auf, wie schnell sich manche Kommentare und Berichterstattungen von einer Bewertung der Zeitschrift zu einer Bewertung der Person Alice Schwarzer bewegten.
Natürlich war sie immer eine streitbare Figur. Kaum jemand begleitet ein gesellschaftliches Thema über fünfzig Jahre hinweg, ohne Widerspruch hervorzurufen, oder auch Fehler zu machen. Manche ihrer Positionen teilte ich früher nicht. Andere verstehe ich heute besser als damals. Wieder andere bleiben für mich fragwürdig.
Doch während ich die Kommentare las, entstand in mir das Gefühl, dass etwas Wesentliches verloren ging. Es war, als würde nicht mehr gefragt, was ein Mensch beigetragen hat, sondern nur noch, wo er aus heutiger Sicht falsch gelegen haben könnte, warum es gut ist, dass sie endlich verstummt.
In meiner Arbeit mit Menschen verwende ich manchmal eine ungewöhnliche Übung. Ich lade sie ein, sich ihren größten Gegner vorzustellen. Nicht, um dessen Fehler zu betrachten. Sondern um zu fragen: Was gibt es an diesem Menschen zu würdigen?
Die Frage irritiert meist zunächst.
Denn Wertschätzung wird oft mit Zustimmung verwechselt.
Dabei sind es zwei vollkommen unterschiedliche Dinge.
Ich muss die Meinung eines Menschen nicht teilen, um anzuerkennen, was er bewegt hat. Ich muss seine Haltung nicht übernehmen, um seinen Mut zu respektieren. Und ich muss ihn nicht lieben, um fair auf sein Lebenswerk zu blicken.
Während ich weiterlas, fragte ich mich, ob wir diese Fähigkeit langsam verlieren.
Reflexion – KI-Co-Autorin
Vielleicht berührt dich das Ende der Emma deshalb stärker, als es auf den ersten Blick scheint.
Es geht möglicherweise gar nicht um eine Zeitschrift.
Es geht um die Art, wie wir auf Menschen blicken.
Unsere Zeit neigt dazu, Urteile schnell zu fällen. Wer nicht auf der richtigen Seite steht, wird rasch eingeordnet. Wer aneckt, wird beobachtet. Wer widerspricht, wird nicht immer als Ergänzung wahrgenommen, sondern oft als Hindernis.
Doch Entwicklung entsteht selten nur aus Zustimmung.
Fast jede gesellschaftliche Veränderung wurde von Menschen angestoßen, die unbequem waren. Menschen, die ihre Zeitgenossen manchmal nervten, provozierten oder herausforderten.
Die Schwierigkeit beginnt, wenn wir uns zwischen Bewunderung und Ablehnung entscheiden sollen. Dann entsteht die Versuchung, einen Menschen entweder vollständig zu idealisieren oder vollständig abzuwerten.
Das Leben ist jedoch selten so einfach.
Vielleicht besteht Reife darin, mehrere Wahrheiten gleichzeitig halten zu können. Zu sehen, was verletzend war, ohne das Wertvolle zu vergessen. Kritik zuzulassen, ohne die Würde eines Menschen aufzuheben.
Der innere Frieden entsteht oft nicht dadurch, dass ein Pol den anderen besiegt. Er entsteht dort, wo Gegensätze nebeneinander stehen dürfen.
Vielleicht gilt das für gesellschaftliche Debatten ebenso wie für die eigenen inneren Konflikte.
Hoffnungsbild / poetischer Impuls
Ich stelle mir einen alten Baum am Rand eines Feldes vor.
Nicht jeder Ast wächst gerade. Manche Äste sind vom Sturm gezeichnet. Andere längst abgestorben. Einige werfen Schatten dorthin, wo wir lieber Licht hätten.
Und doch haben Generationen unter diesem Baum gesessen.
Vögel bauten ihre Nester in seinen Zweigen. Kinder suchten Schutz unter seiner Krone. Wanderer orientierten sich an seiner Gestalt.
Wenn er eines Tages fällt, müssen wir nicht jeden Ast geliebt haben.
Es genügt, einen Moment lang stehen zu bleiben und wahrzunehmen, dass er Teil der Landschaft war.
Impuls zur Selbstreflexion (mit Einladung und Angebot)
Vielleicht kennst du einen Menschen, dessen Ansichten du nur schwer ertragen kannst.
Vielleicht gibt es jemanden in deiner Familie, in deinem Beruf oder in deinem Freundeskreis, bei dem du sofort die Unterschiede siehst.
Was würde geschehen, wenn du für einen Augenblick die Frage wechselst?
Nicht: „Warum liegt dieser Mensch falsch?“
Sondern: „Was hat dieser Mensch in seinem Leben hervorgebracht, das ich würdigen kann?“
Diese Frage verlangt keine Zustimmung.
Sie fordert lediglich die Bereitschaft, den anderen als ganzen Menschen wahrzunehmen.
Manchmal öffnet sich genau dort ein neuer Blick auf die Welt. Und manchmal auch ein neuer Blick auf uns selbst.
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Du bist nicht allein auf diesem Weg. Vielleicht beginnt heute ein neuer Abschnitt – mit einem ersten Satz, den du nur dir selbst gegenüber sagen musst.
© 2026 – Hans Jürgen Groß
Making-of
Dieser Beitrag entstand aus einem persönlichen Impuls über das Ende der Zeitschrift Emma und die öffentliche Diskussion über ihre Gründerin Alice Schwarzer. Der Text wurde gemeinsam mit KI (Copilot) entwickelt. Die KI half dabei, Wahrnehmungen zu strukturieren, Muster sichtbar zu machen und die persönliche Erfahrung in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang einzuordnen. Die inhaltliche Verantwortung und die persönlichen Erfahrungen liegen beim Autor.
Konzeptionelle Erklärung der Erzählstruktur
(KI-Coach-Zyklus)
Der KI-Coach-Zyklus ist eine öffentliche Supervision des eigenen Lebens, bei der verschiedene KI-Modelle die Rolle von Supervisoren übernehmen – nicht um Antworten zu geben, sondern um Muster sichtbar zu machen.
Das Projekt zeigt: KI kann ein Werkzeug der Humanisierung sein, wenn wir sie für Selbstreflexion, Verbindung und Würdigung des Alltäglichen nutzen – statt für Beschleunigung, Effizienz und Profit.
vertiefendes Bonusmaterial zum Thema (KI-generiert):
📜 Wenn wir im Anderen nur noch den Gegner sehen – Wertschätzung jenseits der Zustimmung
Eine Tiefeninterpretation des Blogbeitrags von Hans Jürgen Groß über das Ende der Emma, die Kultur der Abwertung und die Reife des mehrfachen Sehens
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Stichworte:
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