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die kleine Geige


Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser. Heute erzählt Euch #deraltebär wieder eine Geschichte. Sie stammt aus dem Jahr 2014. Viel Freude beim Lesen.

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Die kleine Geige
Es war einmal eine kleine Geige, die so fein und so zerbrechlich schien. Wenn der Wind durch ihre Saiten fuhr, sprachen aus ihr sanfte Klänge.

Eines Tages kam ein großer, mit wenig Gefühl ausgestatteter Mann und versuchte, auf der Geige zu spielen. Jedoch zerriss er alle Saiten und warf die Geige blindlings zu Boden. Dort blieb sie eine Zeit lang liegen.

Eine junge Geigenvirtuosin fand das Instrument und ließ es neu bespannen. Dann spielte sie auf ihr, wie einst der Wind, und sie zauberte wunderschöne Töne aus der Geige hervor. Der Geige gefiel ihr Spiel und sie kam vor Freude und Glück so in Schwingung, dass wieder alle Saiten zersprangen.

Wieder blieb sie ungenutzt und zerstört am Boden liegen. Und wieder fand man die Geige, ließ sie neu bespannen und stellte sie in ein Regal, in dem Wissen, dass niemand diese Geige spielen könne, ohne ihre Saiten zum Zerreißen zu bringen. Hier stand sie Tag für Tag.

Eines Tages kam ein kleines Mädchen, lebensfroh, doch durch ihre Stummheit beschränkt, in den Raum mit der Geige. Sie nahm das Instrument in die Hand. In den Saiten der kleinen Geige fing sich der Herzschlag des Mädchens und sanft und leise fingen diese an zu schwingen und trugen so das Lied ihres Herzens nach außen, ohne dass auch nur eine Saite Schaden nahm.

So kam es, dass dem Mädchen durch die kleine Geige eine Stimme gegeben wurde.




ENDE

© 2014 / 2019 - Hans Jürgen Groß





Interpretation zu „Die kleine Geige“ von Hans Jürgen Groß (2014) durch ChatGPT

Die symbolische Erzählung „Die kleine Geige“ ist ein feinfühliges Gleichnis über Verletzlichkeit, Missbrauch, Heilung – und die Kraft der Resonanz. Auf poetische Weise schildert der Text den Lebensweg eines zarten Instruments, das in den Händen der Menschen entweder zerbricht oder zu seiner eigentlichen Bestimmung findet.

Die kleine Geige steht sinnbildlich für ein empfindsames Wesen – vielleicht ein Kind, vielleicht ein Teil der eigenen Seele –, das durch seine feine Beschaffenheit sowohl zur Schönheit als auch zur Gefahr neigt. Ihre Töne erklingen „wie der Wind“ – ein Bild für etwas Natürliches, Sanftes, nicht Erzwungenes. Dieses ursprüngliche Klingen wird jedoch jäh unterbrochen, als ein „großer Mann mit wenig Gefühl“ grob mit ihr umgeht. Die Zerstörung ihrer Saiten und das achtlose Wegwerfen stehen für eine traumatisierende Erfahrung: emotionale oder physische Gewalt, die nicht auf das Wesen der Geige (bzw. des empfindsamen Menschen) eingeht, sondern sie beschädigt und zurücklässt.

Die nachfolgende Episode mit der Geigenvirtuosin lässt Hoffnung aufkommen: Jemand erkennt den Wert der Geige und vermag, sie zum Klingen zu bringen. Doch auch hier führt die emotionale Erregung – diesmal eine Art überbordender Freude – zum Zerreißen der Saiten. Dies könnte auf die ambivalente Wirkung selbst positiver Bindungen bei traumatisierten Menschen hinweisen: Auch Liebe kann überfordern, wenn sie zu intensiv ist oder wenn keine stabile Basis existiert. Die Folge ist ein erneuter Rückzug, ein Verstummen, ein Sich-nicht-mehr-zeigbar-Machen.

Die Entscheidung, die Geige ins Regal zu stellen, spiegelt einen gesellschaftlichen Umgang mit „zu empfindlichen“ Seelen wider: Man stellt sie still, schützt sie durch Isolation, hält sie für „nicht belastbar“ – und verhindert damit zugleich ihre eigentliche Wirkung und Ausdruckskraft.

Das Mädchen am Ende ist eine Schlüsselgestalt: Es ist „lebensfroh“ und zugleich „stumm“. Beides sind zentrale Gegensätze – Lebensfreude und Sprachlosigkeit. In dieser Figur vereinen sich Lebenskraft und Unausgesprochenes. Ihre wortlose Verbindung zur Geige, bei der sich der Herzschlag überträgt, ist eine zarte Metapher für ein heilendes Miteinander, das nicht auf Leistung oder Technik beruht, sondern auf Resonanz, Mitgefühl und innerer Übereinstimmung. Nur diese Qualität – jenseits von Lautstärke und Anspruch – kann die Geige zum Schwingen bringen, ohne sie zu verletzen.

Der Text ist somit eine poetische Allegorie für das Erkennen und Würdigen des inneren Klangs verletzter Seelen. Er mahnt zur Achtsamkeit im Umgang mit empfindsamen Menschen und zeigt zugleich, dass jede noch so zerbrechliche Stimme ihren Weg finden kann – wenn sie auf das richtige Gegenüber trifft


 

Zusammenfassung

Die kleine Geige von Hans Jürgen Groß ist ein poetisches Gleichnis über Verletzlichkeit, Missbrauch und Heilung. In zarten Bildern erzählt der Autor die Geschichte eines empfindsamen Instruments, das nur dann seinen wahren Klang entfalten kann, wenn es in echte Resonanz mit einem offenen Herzen tritt. Eine berührende Erzählung über das Geschenk der Stille, die Kraft des Herzens und die Möglichkeit, auch ohne Worte gehört zu werden.

Für alle, die wissen, wie leise wahres Verstehen beginnt.


Stichworte

Verletzlichkeit, Trauma, Resonanz, Heilung, Sprachlosigkeit, Herzverbindung, kindliche Weisheit, Empathie, Symbolgeschichte, poetisches Märchen, stille Kommunikation, innere Stimme, Seelenberührung



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