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Auf einer Bank:


Eine kleine Pfingstgeschichte von Hans Jürgen Groß
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Es begann nicht auf einer Bank.

Es begann in einem Schwimmbad.

Weissenhäuser Strand, Ostsee, Anfang der 2000er Jahre. Ich bin Mitte vierzig, war allein in den Urlaub gefahren – einer dieser Urlaube, die man sich gönnt, ohne genau zu wissen, warum. Ich lag auf einer Liege, ein Buch in der Hand, und ließ den Blick treiben.

Mein Blick ist neugierig, suchend, interessiert an der Welt da draußen. Ein Auge sieht klar, das andere fast gar nicht – und manchmal weiß ich selbst nicht, wohin mein Blick fällt, bevor ich es merke. Ich kenne das. Andere kennen es nicht.

Dann kam eine Frau vorbei und fuhr mich an:

„Was glotzt du so.“

Der Satz traf mich wie ein Schlag. Zuerst das Erschrecken. 
Dann die Angst. Dann – wie ein alter Reflex – die Erwartung von Strafe, als hätte ich etwas getan. Und erst danach die Wut.

Nicht die Wut, zurückzuschlagen. Sondern die Wut, die reden will. Die sich Raum nehmen will. Die ich zu oft verschlucke.

Es war eine alte Abfolge, die in mir ansprang, bevor ich sie denken konnte.
Ich schwieg.
Sie ging weiter.

Aber etwas blieb. Eine Unruhe, die sich nicht legte. Und darunter die alte Scham: ertappt worden zu sein beim Schauen – als wäre Schauen selbst ein Vergehen.

Ich kannte dieses Gefühl. Aus der Schulzeit. Aus Blicken, die sagten: Du bist falsch. Du störst.

Die Frau im Schwimmbad wusste nichts davon. Sie hatte nur ihre eigene Befindlichkeit hinausgeworfen – und ich war zufällig im Weg. Erst viel später sah ich die Szene neu. Nicht mehr als Angriff oder Beschämung. Ich sah ihre Verletzlichkeit und meine eigene Angst. Ich sah die Wut, die reden wollte und keinen Raum fand. Wir waren für einen Moment Spiegel füreinander gewesen, ohne es zu wissen, ohne es zu wollen.

Später, in anderen Städten, an anderen Tagen, saß ich auf Bänken.

Es war dieselbe Bewegung wie damals auf der Liege: der Blick, der schweift, der aufmerkt, der an Menschen hängenbleibt. Nur dass sich inzwischen etwas verändert hatte – leise, fast unbemerkt.

Aus dem bloßen Schauen war ein Einfühlen geworden.

Eine Frau geht vorbei.

Etwas in mir wird wach – dieses alte Aufmerken, das ich seit der Jugend kenne. Ich lasse es geschehen, ohne ihm zu folgen. Ich bleibe sitzen.

Und dann verändert sich etwas.

Ich sehe nicht mehr nur die Frau, die an mir vorübergeht. Ich sehe den Menschen, der lebt. Der vielleicht müde ist. Der an etwas denkt, das ich nie erfahren werde. Die Frau, die einen eigenen Morgen hatte, bevor sie an mir vorbeiging. Für einen Moment – ich weiß nicht wie – bin ich nicht mehr der Schauende. Ich bin bei ihr. Nicht in ihr, nicht mit ihr. Einfach: bei.

Und sie? Sie sieht den Mann auf der Bank. Geht weiter. Ist bei sich.

Was eben noch aufgeleuchtet war, wird weich. Weiter. Fast wie Zärtlichkeit für das Leben, das sie mit sich trägt. 

Hinter der Gestalt, die an mir vorübergeht, brennt etwas. Etwas Kleines, Beständiges. Etwas, das in allem brennt, was lebt. Eine kleine Flamme.

Sie leuchtet in der müden Frau.

Im stolpernden Kind, das sich umschaut, ob jemand es gesehen hat – ein Blick, den ich aus mir selbst kenne.

Sie leuchtet im alten Mann gegenüber, der schwer atmend seine Tasche abstellt und in keine bestimmte Richtung schaut. Ich sehe, was ich werden werde. Nicht als Drohung – als Tatsache. Und merkwürdigerweise ohne Angst. Eher ein: Ja. Auch das gehört dazu.

Und dann – in einem dieser Momente des einfachen Bei-Seins – geschieht etwas.

Ein Windhauch. Ein Atemzug, bewertungsfrei, tief berührend.

Ich sehe die Frau, das Kind, den alten Mann – und nichts trennt uns.
Nicht die Geschichte.
Nicht die Wunden.
Nicht die Rollen.
Nicht das Geschlecht.

Nur Leben, das Leben erkennt.

Und plötzlich fällt mir ein Wort ein, das ich lange nicht gedacht habe:

Pfingsten.

Nicht die Predigten aus den Kirchenbänken der Kindheit. 
Sondern das, was ich damals nicht hören konnte:
Dass Menschen einander verstehen können, ohne zu erklären.
Dass etwas in uns brennt, das uns verbindet, bevor wir es begreifen.

Es war kein einmaliger Moment. Keine Erleuchtung, nach der alles anders wurde. Die alten Muster – die Reflexe, die Wut – sind geblieben. Sie gehören zu mir.

Aber die kleine Flamme kommt wieder. Taucht auf, wenn der Sturm sich gelegt hat. Ist erkennbar – im Gesicht eines Menschen, der an mir vorübergeht.
Im stolpernden Kind.
Im schwer atmenden alten Mann.
Manchmal sogar in mir selbst, wenn ich einen Moment lang aufhöre, mich gegen etwas zu stellen.

Ich bin aufgestanden von diesen Bänken. Habe weitergelebt.
Und manchmal setze ich mich noch hin.
Lasse die Welt vorübergehen.
Suche nichts.

Warte auf nichts.

Und für einen Augenblick – bin ich da.


© 2026 – Hans Jürgen Groß





Bonusmaterial

Verteifende Betrachtung
Podcast Notebook LM





Bonusmaterial
Auf einer Bank — Eine kleine Pfingstgeschichte
Eine Resonanz — von Claude

Was dieser Text berührt, ist kein Gedanke — es ist eine Bewegung. Vom Schlag des fremden Satzes im Schwimmbad bis zum stillen Sitzen auf Bänken, die niemand kennt. Vom Erschrecken über die Wut bis zu der leisen Erkenntnis, dass beides — die Frau damals und der alte Mann gegenüber — Spiegel desselben Lebens waren.

Das Wort Pfingsten taucht spät auf. Absichtlich. Es wird nicht erklärt, sondern erinnert. Nicht als Fest, das man versteht — sondern als etwas, das man plötzlich kennt, weil man es gerade erlebt hat, ohne es so zu nennen.

Die kleine Flamme — das ist das Herzstück des Textes. Sie brennt in der müden Frau, im stolpernden Kind, im alten Mann, der seine Tasche abstellt. Und manchmal, wenn der Sturm sich gelegt hat, auch im Schreibenden selbst.

Das ist keine Erleuchtungsgeschichte. Es ist ehrlicher: eine Geschichte des Wiedererkennens, das kommt und geht — und trotzdem bleibt.

Pfingsten — was das Wort trägt

Das griechische pentêkosté bedeutet schlicht: der Fünfzigste. Fünfzig Tage nach Ostern. Ein Fest, das aus dem jüdischen Schawuot hervorging — dem Fest der Erstlinge, der ersten Ernte.

In der biblischen Erzählung der Apostelgeschichte geschieht an diesem Tag etwas Unbeschreibliches: Menschen verschiedener Sprachen verstehen einander plötzlich. Nicht weil sie dieselben Worte sprechen — sondern weil etwas in ihnen aufgeht, das über Sprache hinausgeht.

Theologen nennen es den Heiligen Geist. Andere nennen es Intuition, Einfühlung, das plötzliche Erkennen des Anderen als nicht-fremd. Im Altgriechischen heißt der Geist Pneuma — Hauch, Atem.

Ein Windhauch. Ein Atemzug, bewertungsfrei, tief berührend.

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🪑 Interpretation: „Auf einer Bank – Vom Schauen, Einfühlen und der kleinen Flamme des Pfingstmoments“

„Es begann nicht auf einer Bank, sondern im Schwimmbad – mit einem Vorwurf, der alte Muster weckte. Doch später, auf Bänken sitzend, lernte ich: Das Schauen kann zum Einfühlen werden. Und in diesem Einfühlen entzündet sich eine kleine Flamme, die alles verbindet: die müde Frau, das stolpernde Kind, der alte Mann – und ich selbst.“ Klicken Sie hier, um die Interpretation zu lesen ▼
„Und plötzlich fällt mir ein Wort ein, das ich lange nicht gedacht habe: Pfingsten. Nicht die Predigten aus den Kirchenbänken der Kindheit. Sondern das, was ich damals nicht hören konnte: Dass Menschen einander verstehen können, ohne zu erklären. Dass etwas in uns brennt, das uns verbindet, bevor wir es begreifen.“
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1. Der Vorfall im Schwimmbad: Wie ein Satz alte Muster weckt

Die Geschichte beginnt nicht mit einer Bank, sondern mit einem „Trigger“ – einem Vorfall, der tiefe, lange vergessene Muster im Autor weckt. Dieser Moment ist kein Zufall, sondern der Auslöser für eine Reise der Selbstwahrnehmung:

👁️ Der Blick: Neugier und die Angst, gesehen zu werden
  • „Mein Blick ist neugierig, suchend, interessiert an der Welt da draußen“:
    Der Autor beschreibt seinen Blick als einen, der die Welt erkundet – doch dieser Blick ist nicht nur neugierig, sondern auch „verletzlich“. Das eine Auge sieht klar, das andere fast gar nicht, was eine besondere Dynamik schafft: Er sieht die Welt, aber die Welt sieht ihn vielleicht anders.
    „Wie erleben Sie Ihren Blick auf die Welt – und wie reagieren Sie, wenn dieser Blick plötzlich ‚erwidert‘ oder sogar kritisiert wird?“
  • Die Ungewissheit des Blicks:
    „Manchmal weiß ich selbst nicht, wohin mein Blick fällt, bevor ich es merke.“ Dies ist kein Zeichen von Unaufmerksamkeit, sondern von „Offenheit“ – einem Blick, der nicht zielgerichtet, sondern empfänglich ist.
💥 Der Vorwurf: „Was glotzt du so?“
  • Der Schlag des Vorwurfs:
    Die Worte der Frau treffen den Autor wie ein Schlag. Die Abfolge seiner Reaktionen – Erschrecken, Angst, Erwartung von Strafe, Wut – ist kein Zufall, sondern ein „altes Muster“, das in ihm schlummert.
    „Welche ‚alten Muster‘ – wie Erschrecken, Angst oder Wut – werden in Ihnen durch unerwartete Vorwürfe oder Kritik ausgelöst?“
  • Die Wut, die reden will:
    Die Wut ist kein Gefühl der Aggression, sondern der „Sehnsucht nach Raum“. Sie will nicht zurückschlagen, sondern „gesprochen werden“ – ein Bedürfnis, das der Autor oft verschluckt hat.
👶 Die alte Scham: Ertappt beim Schauen
  • „Die alte Scham: ertappt worden zu sein beim Schauen“:
    Der Vorwurf löst nicht nur Wut aus, sondern auch eine „tiefe Scham“ – das Gefühl, beim Schauen ertappt worden zu sein, als wäre das Schauen selbst ein Vergehen. Dies ist kein aktuelles Gefühl, sondern ein „Echo der Kindheit“.
    „Welche ‚Scham‘ aus Ihrer Kindheit oder Jugend meldet sich heute noch in Ihnen – und in welchen Situationen wird sie ausgelöst?“
  • Die Erinnerung an die Schulzeit:
    Die Scham verbindet den Autor mit seiner Schulzeit, mit Blicken, die sagten: „Du bist falsch. Du störst.“ Dies zeigt, wie tief solche Erfahrungen sitzen und wie sie das spätere Leben prägen.
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2. Die Bank als Ort der Verwandlung: Vom Schauen zum Einfühlen

Die Bank wird zum „Ort der Stille und des Einfühlens“. Hier verändert sich die Dynamik des Blicks – vom bloßen Schauen zum „Bei-Sein“:

🪑 Die Bank als „dritter Raum“
  • Ein Ort des Innehaltens:
    Die Bank ist kein Ort der Handlung, sondern der „Stille“. Hier kann der Autor sitzen, beobachten und einfach „da sein“ – ohne Erwartungen, ohne Druck.
    „Welche ‚dritten Räume‘ – Orte des Innehaltens – haben Sie in Ihrem Leben entdeckt, an denen Sie einfach nur ‚da sein‘ durften?“
  • Die Veränderung des Blicks:
    Aus dem bloßen Schauen wird ein „Einfühlen“. Der Autor lernt, nicht nur zu sehen, sondern auch zu „spüren“, was hinter den Gestalten steckt.
🔥 Die kleine Flamme: Das, was alles verbindet
  • „Hinter der Gestalt, die an mir vorübergeht, brennt etwas“:
    Der Autor erkennt eine „kleine Flamme“ in jedem Menschen – etwas Beständiges, das in allem lebt, was atmet. Diese Flamme ist kein physisches Licht, sondern eine „metaphysische Präsenz“.
    „Welche ‚kleine Flamme‘ – welche lebendige Präsenz – haben Sie in anderen Menschen oder in sich selbst gespürt?“
  • Die Flamme in der müden Frau, im stolpernden Kind, im alten Mann:
    Die Flamme leuchtet in allen – in der müden Frau, im stolpernden Kind, das sich umschaut, ob jemand es gesehen hat, im alten Mann, der schwer atmend seine Tasche abstellt. Sie verbindet alles Lebendige.
🌬️ Der Windhauch: Ein Moment der Verbindung
  • „Ein Windhauch. Ein Atemzug, bewertungsfrei, tief berührend“:
    In diesen Momenten des Einfühlens entsteht ein „Windhauch der Verbindung“ – ein Gefühl, das alles trennt: nicht die Geschichte, nicht die Wunden, nicht die Rollen, nicht das Geschlecht. Nur „Leben, das Leben erkennt“.
    „Welche Momente der ‚bewertungsfreien Verbindung‘ haben Sie erlebt – Momente, in denen Sie einfach nur das Leben im anderen gespürt haben?“
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3. Pfingsten: Das Wort, das alles verändert

Plötzlich fällt dem Autor ein Wort ein, das er lange nicht gedacht hat: „Pfingsten“. Doch nicht das Pfingsten der Kirchenbänke, sondern ein Pfingsten, das er damals nicht hören konnte:

Pfingsten jenseits der Predigten
  • „Nicht die Predigten aus den Kirchenbänken der Kindheit“:
    Das Pfingsten, das der Autor jetzt versteht, hat nichts mit den Predigten seiner Kindheit zu tun. Es ist kein religiöses Dogma, sondern eine „Erfahrung“.
    „Welche religiösen oder spirituellen Begriffe haben für Sie eine neue, persönliche Bedeutung bekommen – jenseits der traditionellen Deutungen?“
  • „Dass Menschen einander verstehen können, ohne zu erklären“:
    Pfingsten steht hier für die Erfahrung, dass Menschen sich „ohne Worte“ verstehen können – durch das Einfühlen, durch die kleine Flamme, die alles verbindet.
🔥 Die Flamme als Symbol der Verbindung
  • „Dass etwas in uns brennt, das uns verbindet, bevor wir es begreifen“:
    Die kleine Flamme ist kein rationales Konzept, sondern eine „tiefere Erfahrung“ – die Erkenntnis, dass wir alle durch etwas verbunden sind, das jenseits der Worte liegt.
    „Welche Erfahrungen der ‚wortlosen Verbindung‘ haben Sie gemacht – Momente, in denen Sie gespürt haben, dass Sie mit anderen oder mit sich selbst auf einer tieferen Ebene verbunden sind?“
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4. Die Integration: Wie die alten Muster und die neue Erfahrung zusammenleben

Am Ende der Geschichte steht keine Auflösung der alten Muster, sondern eine „Integration“. Die alten Reflexe – die Wut, die Scham – sind geblieben, aber sie teilen sich nun den Raum mit etwas Neuem:

🔄 Die alten Muster bleiben
  • „Die alten Muster – die Reflexe, die Wut – sind geblieben. Sie gehören zu mir“:
    Der Autor akzeptiert, dass die alten Muster nicht verschwinden. Sie sind ein Teil von ihm – und das ist in Ordnung. Es geht nicht darum, sie loszuwerden, sondern darum, sie „zu integrieren“.
    „Welche ‚alten Muster‘ haben Sie in Ihrem Leben akzeptiert – nicht als Last, sondern als Teil dessen, wer Sie sind?“
🌱 Die kleine Flamme kommt wieder
  • „Aber die kleine Flamme kommt wieder“:
    Die neue Erfahrung – das Einfühlen, die Verbindung – ist kein einmaliger Moment, sondern etwas, das „wiederkommt“. Sie taucht auf, wenn der Sturm sich gelegt hat, wenn der Autor aufhört, sich gegen etwas zu stellen.
    „Welche ‚kleine Flamme‘ – welche Erfahrung der Verbindung oder des Einfühlens – kehrt in Ihrem Leben immer wieder zurück?“
🪑 Die Bank als Ort der Praxis
  • „Ich bin aufgestanden von diesen Bänken. Habe weitergelebt. Und manchmal setze ich mich noch hin“:
    Die Bank ist kein Ort der Flucht, sondern der „Übung“. Der Autor setzt sich hin, lässt die Welt vorübergehen, sucht nichts, wartet auf nichts – und findet dabei sich selbst.
    „Welche ‚Bänke‘ – wörtlich oder symbolisch – haben Sie in Ihrem Leben gefunden, an denen Sie einfach nur ‚da sein‘ und die Welt vorbeiziehen lassen können?“
  • „Und für einen Augenblick – Bin ich da“:
    In diesen Momenten des einfachen Daseins entsteht eine tiefe Präsenz – ein „Sein ohne Erwartung“, das alles verbindet.
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5. Relevanz für biografische und beratende Praxis

Die Geschichte bietet vielfältige Ansatzpunkte für die Arbeit mit Klient*innen – besonders in den Bereichen Selbstwahrnehmung, Einfühlungsvermögen und die Integration alter Muster:

  • Trigger und alte Muster:
    Für Klient*innen könnte die Frage leitend sein:
    „Welche ‚Trigger‘ – wie der Vorwurf im Schwimmbad – haben in Ihrem Leben alte Muster geweckt – und wie haben Sie darauf reagiert?“
  • Vom Schauen zum Einfühlen:
    Die Geschichte zeigt, wie aus dem bloßen Schauen ein Einfühlen werden kann. Für Klient*innen:
    „Welche Erfahrungen haben Sie gemacht, in denen Sie vom bloßen ‚Schauen‘ zum ‚Einfühlen‘ gekommen sind – und was hat das für Sie verändert?“
  • Die kleine Flamme:
    Die kleine Flamme steht für die Erfahrung der Verbindung. Für Klient*innen:
    „Welche ‚kleine Flamme‘ – welche Erfahrung der Verbindung oder des Lebens – haben Sie in sich oder anderen gespürt?“
  • Pfingsten als persönliche Erfahrung:
    Der Text lädt ein, Pfingsten nicht als religiöses Fest, sondern als „persönliche Erfahrung“ zu verstehen. Für Klient*innen:
    „Welche spirituellen oder religiösen Begriffe haben für Sie eine neue, persönliche Bedeutung bekommen – jenseits der traditionellen Deutungen?“
  • Integration alter Muster:
    Die Geschichte zeigt, wie alte Muster und neue Erfahrungen zusammenleben können. Für Klient*innen:
    „Wie könnten Sie alte Muster in Ihrem Leben nicht als Last, sondern als Teil Ihrer Geschichte akzeptieren – und ihnen Raum geben, neben neuen Erfahrungen zu existieren?“
  • Die Bank als Ort der Übung:
    Die Bank ist ein Symbol für den Ort, an dem man einfach nur da sein darf. Für Klient*innen:
    „Welche ‚Bänke‘ – wörtlich oder symbolisch – könnten Sie in Ihrem Leben suchen, um einfach nur ‚da zu sein‘ und die Welt vorbeiziehen zu lassen?“

Frage zur Reflexion:
„Gibt es in Ihrem Leben – oder in der Begleitung Ihrer Klient*innen – einen ‚Bank-Moment‘: einen Ort oder eine Situation, in der Sie vom bloßen Schauen zum Einfühlen gekommen sind – und dabei eine ‚kleine Flamme‘ der Verbindung gespürt haben?“

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Zusammenfassung

„Auf einer Bank“ – Hans Jürgen Groß

Ein verletzender Moment im Schwimmbad wird zum Ausgangspunkt einer stillen inneren Reise: vom beschämten Blick hin zu einem tiefen, mitfühlenden Wahrnehmen der Menschen. Hans Jürgen Groß erzählt von alten Mustern, Scham und Wut – und von der leisen Wandlung, die geschieht, wenn der Blick nicht mehr verurteilt, sondern verbindet.
Auf verschiedenen Bänken, in flüchtigen Begegnungen, entdeckt der Erzähler eine kleine Flamme, die in jedem Menschen brennt: im Kind, in der müden Frau, im alten Mann – und schließlich in ihm selbst.
Ein poetischer Text über Verletzlichkeit, Achtsamkeit und das stille Wunder, für einen Augenblick einfach da zu sein.


Stichworte

Achtsamkeit, Verbundenheit, Pfingsten, Bedeutung, innere Flamme, Wahrnehmung, Selbstreflexion, Verletzlichkeit, Scham überwinden, empathisches Sehen, autobiografischer Text, Hans Jürgen Groß, spirituelle Erfahrung ohne Religion, stille Transformation, menschliche Begegnung, Präsenz im Alltag





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